Sind Drohnen 2020 reif für Feuerwehren?

Drohnen im Einsatz für die Feuerwehr? Chancen, Technik und was wir empfehlen.

Wer sich noch an die Einführung von Wärmebildkameras für Feuerwehren erinnert, der wird in den kommenden Jahren viele Parallelen erkennen. Drohnen haben groß, kompliziert und extrem teuer begonnen - und kurz danach einen Boom erlebt. Die private Welt wurde bereits erobert, während der professionelle Bereich mit hoher Geschwindigkeit nachzieht. Insbesondere Organisationen mit Sicherheitsaufgaben haben jetzt die Möglichkeit massiv zu profitieren. Lesen Sie weiter, um den Status Quo 2020 zu erfahren.

Das wichtigste in Kürze

  • Die Zeit ist reif!

  • Erst schulen lassen, dann entscheiden!

  • Wärmebildkameras mit 640 Pixel unterstützen bei Überwachungsaufgaben und Personensuche

  • Kosten für gute Feuerwehr-Drohne zwischen 15.000€ und 30.000€

  • Investitionen in benutzerfreundliche Software lohnen sich, z.B. für Überlagerung von Sicht- und Wärmebild

Lohnt sich die Überlegung?

Ja! Genau wie Smartphones haben Drohnen in den vergangenen Jahren exponentiell an Leistung gewonnen. Beide Welten teilen die Prozessoren als bedeutendstes Bauteil und deren zeitliche Entwicklung beschreibt jene des Drohnenmarktes wunderbar - stark gestiegener Output, geringer Energieverbauch und das wichtigste: extrem gesunkene Preise! Damit ist die Zeit der Pioniere definitiv Geschichte und es liegt an der breiten Masse der Feuerwehr, wie schnell die Öffentlichkeit von den revolutionären Helfern profitieren kann. Klingt gut - aber was genau ich erwarten? Mehr dazu im Folgenden.

Was können Drohnen für Sie tun?

Sie bekommen Unterstützung auf zwei anspruchsvollen Gebieten:

  • den Überblick über ein weiträumiges Gelände zu bekommen

  • Personen effektiver zu finden.

In dem Überblick-Gebiet fassen wir die Koordination von Einsatzkräften und das Finden von Brandherden zusammen. Typische Beispiele sind Einsätze, in denen bislang Unterstützung aus der bemannten Luftfahrt durch Hubschrauber oder Flugzeuge notwendig war. Bei Kosten von ca. 2.000€ pro Hubschrauberstart (ohne Flug) überlegt man sich dessen Anforderung genau. Aber ganz ehrlich: Wer fühlt sich nicht wohler, wenn ein Kollege die Ausläufer eines Flächenbrandes aus der Luft im Blick behält? In Zeiten langanhaltender Trockenheit nehmen die Gefahren zu. Drohnen können hier Abhilfe schaffen - und das kostengünstig und zu jeder Zeit.

Am Rande sei auf Gaffer und mutwillige Beeinträchtigungen von Einsatzkräften hingewiesen. Luftaufnahmen können beide Probleme dokumentieren und damit zur Bekämpfung beitragen.

Abbildung 1: Beobachtung eines Flächenbrandes aus der Luft

Neben dem Sichtbild sind Wärmebild-Livestreams auf Knopfdruck abrufbar. Ein Highlight sind die für Feuerwehren angepassten Anzeige-Modi. Je nach Missionsziel werden Brandquellen, Maximal- und Durchschnittstemperatur sowie Gebiete mit definierter Temperatur hervorgehoben. Damit erhalten Sie einen Überblick, in welchen Bereichen ein sicherer Einstieg in das brennende Gebäude möglich ist.

Auf Infrarot-Bildern (=Wärmebild) ist die Orientierung in der Regel schwierig. Auch hier schafft die Software Abhilfe, indem Sie das Sicht- und das Wärmebild ineinanderlegt. Das Ergebnis ist ein Wärmebild mit Körperkanten.

Abbildung 2: Wärmebild mit Körperkanten, dazu Maximal- und Durchschnittstemperatur in einem definierten Feld

Personensuchen sind ohne geeignetes Gerät sehr aufwendig. Luftbilder helfen nicht nur beim Koordinieren der Boden-Einheiten, sondern können auch direkt zur Suche beitragen. Das Wärmebild und das Sichtbild können gleichermaßen die schnelle Erschließung des Geländes vorantreiben.

Das Live-Bild aller Kameras wird sowohl an den Piloten als an die Einsatzleitung gesendet. In der Koordination von Einsätzen wird damit eine neue Ära eingeläutet.

Wie machen Drohnen das?

Beginnen wir mit dem wichtigsten Merkmal: der Wärmebildkamera (auch Infrarot- oder IR-Kamera). Mit bis zu 640 Pixel breiten Bildern lassen sich Personen und Brandherde punktgenau lokalisieren.

Abbildung 3: Brandherd in einer Halle im Isotherm Modus mit 640 Pixel IR-Kamera

Kauftipps für die Kamera:

  • Die Sichtkamera sollte über mind. 10-fach optischen Zoom verfügen. Das spart energieaufwendige Steig- und Sinkflüge. Davon profitiert die Flugzeit.

  • Eine höhere Auflösung bei der Wärmebildkamera hilft Ihnen dabei genügend Sicherheitsabstand zum Brand zu bewahren und trotzdem noch ein brauchbares Bild zu haben.

  • Mit einer Weitwinkelkamera haben Sie auf Knopfdruck alles im Blick.

Radiometrische Kameras können darüber hinaus Temperaturen bestimmen. Tippen Sie dazu einfach auf einen beliebigen Punkt im Bild und Sie bekommen die Temperatur angezeigt.

Abbildung 4: Temperaturmessung im Bild und überlagerte Körperkanten

Ausgewählte Drohnen haben neben der Wärmebildkamera parallel eine Sichtkamera verbaut. Das ermöglicht blitzschnelles Wechseln zwischen Ansichten und eine ganz besondere Funktion: Durch übereinander legen der Bilder können Körperkanten im Wärmebild angezeigt werden. Was habe ich davon? Sie können Häuser und Objekte viel besser identifizieren und sich leichter orientieren.

Damit die Einsatzleitung von den Aufnahmen profitieren kann, wird eine zweite Fernsteuerung eingesetzt. Die empfangenen Bilder können per HDMI auf einem beliebigen Monitor angezeigt werden. Etwas aufwendiger und fehleranfälliger ist die Nutzung des Mobilfunknetzes (sofern am Einsatzort Empfang vorhanden ist) oder der Aufbau eines lokalen Netzes. Die Netze können unabhängig vom Kauf der Drohne jederzeit nachgerüstet werden. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Drohne streamingfähig ist (z.B. alle DJI Drohnen).

Finde ich gut - aber wo anfangen?

Wissen ist Macht! Deswegen ist unsere Empfehlung sich erst schulen zu lassen und dann weitersehen. Wir bieten ein zwei-Tages Schulungsprogramm an, bestehend aus vier praktischen und theoretischen Teilen. Mehr dazu erfahren Sie auf unseren Schulungsseiten.

Als Organisation mit hoheitlichen Aufgaben sind Sie weitgehend von Drohnenflug-Gesetzen befreit. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie aber über grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Drohnen verfügen.

Nach Abschluss der kurzen Ausbildung geht es an die Anschaffung einer Drohne mit Zubehör. Als Kostenpunkt sollten Sie zwischen 15.000€ und 30.000€ einplanen. Im Vergleich zu 3.000€-Lösungen lohnt sich der Aufpreis zweifellos. Der entscheidende Punkt ist in der Regel die verbaute Kamera-Technik. Hochwertige Modelle bringen eine blitzschnelle Kamerastabilisierung (auch Gimbal genannt), 640 Pixel im Wärmebild und mehrfach optischen Zoom mit.

Unter welchen Bedingungen kann ich meine Drohne starten?

Die größte Einschränkung für Feuerwehr-Drohnen ist das Wetter. Die Flugstabilität ist ausgereift. Während Sturmböen erfahrungsgemäß kein Problem sind, muss bei Niederschlag etwas aufgepasst werden, denn der größte Feind von Elektronik ist Wasser. Deshalb muss eine Feuerwehrdrohne unbedingt wassergeschützt sein! Aktuelle Modelle haben einen IP45 Wetterschutz, was auch Einsätze bei Regen erlaubt. Damit sind 95% der in Deutschland vorkommenden Wetterverhältnisse abgedeckt. Bei starkem Niederschlag muss von einem Start abgesehen werden.

Welche Systeme empfehlen wir?

Bis etwa 2011 waren handgehaltene Wärmebildkameras das Maß der Dinge, die an eine Drohne „herangebastelt“ wurden. Diese Zeiten sind vorbei! Heute kommt niemand mehr an einer nahtlos integrierten Drohne-Kamera-Einheit vorbei. Die Gründe sind schnell erklärt: Kamera- und Drohnenhersteller sind zunehmend verschmolzen. Das Resultat sind attraktive, kostengünstige Lösungen.

Es gibt mehrere geeignete Drohnen mit Wärmebildkamera am Markt. Die Speerspitze in Sachen Preis-Leistung ist aktuell die DJI M300 RTK . Zum Preis von circa 25.000€ erhalten Sie High-End Technik der führenden Hersteller FLIR und DJI. Wer weniger ausgeben will, muss deutliche Abstriche bei Funktionen und Zuverlässigkeit machen.

Unsere Tipps haben Ihnen gefallen? Melden Sie sich für weitere Informationen jetzt per E-Mail oder telefonisch unter +49-351-21168690. Bis bald!


Persönliche Beratung

Sie haben Fragen und benötigen eine kompetente Beratung?