Alles wichtige über die SPECIFIC Category der EU-Drohnenverordnung

Die SPECIFIC Category der neuen EU-Drohnenverordnung gibt neuen Spielraum für Drohnenanwendungen. Wir fassen die wichtigsten Neuerungen für Sie zusammen.

Inhalte

    Die EU-Drohnen-Regeln haben uns die Kategorien OPEN, SPECIFIC und CERTIFIED gebracht. Dabei ist die spezielle Kategorie eine besonders interessant Neuerung. Die Gründe erfahren Sie in diesem Artikel.

    Was ist die spezifische Kategorie?

    Die spezifische Kategorie ist für alle Drohnenbetreiber da, die mehr wollen als die offene Kategorie erlaubt. Typische Beispiele sind Flüge mit schweren Drohnen in der Nähe von Menschen oder Flüge außerhalb der Sichtweite (= BVLOS). Die spezielle Kategorie sammelt alle Verfahren, mit denen diese Träume wahr werden. Die so genannten Standardszenarien (STS) sind eine besonders gelungene Erfindung innerhalb der spezifischen Kategorie.

    OFFENE Kategorie vs. SPEZIELLE Kategorie der EU-Drohnenverordnung

    Abbildung 1: OFFENE Kategorie vs. SPEZIELLE Kategorie der EU-Drohnenverordnung

    Welche Vorteile bringen Standardszenarien (STS)?

    STS sollen den Prozess der Antragsstellung verschlanken. Die Bezeichnung wurde treffend gewählt: Standardszenarien umfassen alle Einsatzszenarien, die in der Praxis häufig beantragt wurden und ohne Sondergenehmigung nicht erlaubt sind. Der Gesetzgeber standardisiert diese Fälle und stellt Sie danach als STS bereit. Statt eines nervenraubenden Verwaltungsakts werden für die Genehmigung eines STS nur die wirklich notwendigen Daten fällig - ein Gewinn für alle Beteiligten.

    Eine Liste der aktuell verfügbaren und angekündigten STS für Deutschland halten wir hier für Sie bereit.

    Wenn Sie ein STS nutzen wollen, dann müssen Sie eine Betriebserklärung einreichen. Die Erklärung umfasst folgendes:

    • Betriebshandbuch

    • STS-spezifischer Befähigungsnachweis für Fernpiloten (= Zusatzprüfung zu großem Drohnenführerschein)

    • Nachweise über ausreichenden Versicherungsschutz

    • Drohnenklasse C5 oder C6 (je nach STS) und regelmäßige Wartungen der Drohne

    Die Kosten zur Bearbeitung der Betriebserklärung belaufen sich auf ca. 200€ und werden vom LBA in Rechnung gestellt. Der Befähigungsnachweis wird von anerkannten Stellen ausgestellt - i.d.R. jene, die auch die A2-Drohnenführerscheine ausstellen.

    Kein passendes STS zu finden? PDRAs ansehen.

    Nur weil kein bequemes STS zur Verfügung steht? Keine Sorge, Sie fallen nicht gleich auf einen manuellen Antrag zurück. Der Zwischenschritt trägt den Namen Pre-Defined Risk Assessment, kurz PDRA. Dahinter verbergen sich viele vordefinierte Missionen, die ein höheres Risiko als die STS-Missionen mitbringen und im Alltag häufig vorkommen.

    PDRA-S: Das STS für nicht-zertifizierte Drohnen

    Wer eine Drohne ohne C5 bzw. C6 CE-Klasse in einem STS-Szenario fliegen möchte, der nutzt ein PDRA-S (z.B. PDRA-S01 oder -S02). Offensichtlich ist die Beantragung etwas aufwendiger als bei einem richtigen STS. Trotzdem hält sich der Zeitaufwand sehr in Grenzen.

    PDRA-G: Vorlage für häufig auftretende Missionen

    PDRA-Gs sind wie STS aufgebaut und unterscheiden sich nur durch höhere Risiken der Mission. Die nutzbaren Vorlagen heißen z.B. PDRA-G01 und -G02.

    Eine Liste der aktuell in Deutschland verfügbaren PDRAs finden Sie in unserem FAQ-Eintrag.

    Der individuelle Weg: SORA.

    Wenn kein passendes STS oder PDRA zu finden ist, muss der Weg über die klassische SORA (= Specific Opertions Risk Assessment) her. Was eine SORA ist lesen Sie in unserem FAQ-Eintrag. In kurz: Sie schreiben einen ausführlichen Bericht über den geplanten Einsatz, mögliche Risiken und Maßnahmen zur Risikominderung. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) kontrolliert Ihr Vorhaben und stellt eine Genehmigung aus. Die Kosten belaufen sich auf 200€ bis 2000€ für eine Erteilung und 40€ bis 400€ für eine Verlängerung. Die maximale Laufzeit pro Erteilung ist auf zwei Jahre begrenzt.

    Wir sprechen über eine SORA-EU (auch EASA-SORA genannt) nach einheitlichen europäischen Vorgaben. Die deutsche SORA-GER wir damit abgelöst und und durch ein länderübergreifendes Verfahren ersetzt. Vorteil: Einsätze im europäischen Ausland werden über ein vertrautes Antragsverfahren genehmigt.

    ACHTUNG: Bis zur Überführung der europäischen Verordnung in deutsches Recht kann es noch bis Ende 2021 dauern. Solange bleibt SORA-GER aktiv!

    Der Erstellungsprozess einer SORA-EU ist von der EASA in einem 110 Seiten umfassenden Regelwerk geschrieben worden (Quelle: DVO (EU) 2019/947 Artikel 11).

    STS vs. PDRA vs. SORA für Drohnen im EU-Recht

    Abbildung 2: Zusammenhang zwischen STS, PDRA und SORA der EU-Drohnenverordnung

    Für Profis: LUC werden und SORAs selbst genehmigen.

    Für alle Anwender, die ständig SORAs für eine bestimmten Operationstyp einreichen müssten, hält das Gesetz einen komfortablen Ausweg bereit: Werden Sie LUC und genehmigen Sie Ihre Einsätze selbst! LUC steht für Light UAS Operator Certificate und bedeutet, dass Sie sich mit den Risiken und Gegenmaßnahmen für eine bestimmte Art von Drohneneinsatz besonders gut auskennen und deren Umsetzung in zuverlässigen Prozessen in Ihrer Organisation verankert haben.

    Abschließender Hinweis: Da noch keine aktualisierte Luftverkehrsordnung (LuftVO) in Kraft ist, gibt es aktuell Überschneidungen zwischen neuen europäischen und alten deutschen Gesetzen. Praktisch für das dazu, dass zusätzlich zu STS, PDRA und SORA aktuell noch Ausnahmegenehmigungen für den §21 LuftVO - der u.a. Betriebsverbote beinhaltet - beantragt werden müssen.

    Drohnenwissen

    Weitere Antworten finden Sie in der Airclip Drohnen FAQ

    FAQ

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