Endlich außerhalb der Sichtweite (BVLOS) fliegen? Eine Diskussion über UTM und 5G.

10.09.2020 12:00

Die ganze Drohnenindustrie wartet nur auf eins: endlich außerhalb der Sichtweite (BVLOS – Beyond Visual Line Of Sight) fliegen zu dürfen. Mit dem Startup Droniq wollen die Deutsche Telekom und die Deutsche Flugsicherung (DFS) den Weg ebnen. Aber wo liegt eigentlich das Problem?

Das Gesetz lässt BVLOS-Flüge aktuell nur mit Ausnahmegenehmigung und unter strengen Auflagen zu. Ausschlaggebend sind vor allem fehlende technische Hilfsmittel mit geeigneter Zuverlässigkeit. Im Falle eines Verbindungsabbruchs ist die Gefahr für Unbeteiligte groß. Ein Lösungsansatz ist ein so genanntes UTM System, kurz für Unmanned Traffic Management System.

In der bemannten Luftfahrt ist das ATM (Air Traffic Management) viele Jahre etabliert. Die Systeme erfassen alle detektierbaren Flugbewegungen in einem Gebiet. Als Basis dienen Radar- und Transponder-Technologie. Beides ist für die unbemannte Luftfahrt nur bedingt geeignet, weshalb Droniq die Entwicklung einer Mobilfunk-Lösung vorantreibt. Die Idee ist einfach: Jede Drohne sendet ihre eigene Position und die Position von in der Nähe befindlichen Fluggeräten (siehe ADS-B ) sekündlich per Mobilfunknetz an einen Server. Dieser kennt das aktuelle Verkehrsgeschehen und eröffnet damit neue Dimensionen für die Drohnenanwendung.

Die passenden Lösungen zur kommerziellen Nutzung eines UTM stehen schon bereit. Allen voran bietet sich das Steuern von Drohnen über das Mobilfunknetz an; so muss der Pilot nicht mehr am Einsatzort sein. Doch die entscheidende Restriktion ist und wird bleiben: das Gesetz . Ist die Verbindung zuverlässig? Wie groß ist die Latenz? Wer haftet bei einem Verbindungsabbruch? Fragen wie diese werden die Industrie noch einige Zeit beschäftigen und schlussendlich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Eine andere Grundlage liegt in den Händen der Telekom, nämlich das LTE oder 5G Netz.

Gegenwärtig sind wir von einem flächendeckenden Highspeed-Mobilfunknetz weit entfernt. Viele Unternehmen hoffen auf einen schnellen Ausbau von 5G. Denn nur dieses würde das volle Potenzial von Drohnen-Technologie entfalten. Drohnen können aktuell zwar riesige Datenmengen aufnehmen – aber wo verarbeitet man diese? Die einfachste Möglichkeit ist einen Computer auf der Drohne zu platzieren. So geschehen Datenakquise sowie Verarbeitung an einem Ort und lediglich das Ergebnis wird zum Boden gefunkt. Eigentlich eine kluge Lösung, wenn da nicht die Flugzeit wäre. Geeignete Computer für 3D Berechnungen sind nach wie vor groß und schwer – ein No-Go für die Luftfahrt, wo jedes Gramm zählt. Die Daten müssen also irgendwie von der Drohne zu leistungsstarken Rechnern gelangen.

In einer Zeit, wo in der Cloud nahezu unbegrenzt Rechenleistung zur Verfügung steht, ist das Internet die erste Wahl. Daten könnten in Sekundenschnelle direkt von der Drohne über das Rechenzentrum zum Kunden gelangen. Die Ergebnisse liegen bereit, während die Drohne sich noch in der Luft befindet . Bleibt das ein Wunschtraum? In absehbarer Zeit wahrscheinlich ja. Solange pro Sekunde nur ein paar Megabyte durch die Leitung passen müssen viele Anwendungen auf bessere Zeiten warten. Insbesondere die ungeklärten gesundheitlichen Risiken von 5G könnten – zumindest in Deutschland – das komplette Projekt zum Kippen bringen. Aber wer sagt, dass uns in naher Zukunft keine Firma mit einer geeigneten Alternative überrascht? Wir sind gespannt und unterstützen Unternehmen wie Entscheidungsträger gern mit unserer Erfahrung.

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